"RaumNetzWerk"

Begehbare Großrauminstallation im Neuen Schloss Neustadt

Video-Licht-Rauminstallation

2018


Meine multimediale Lichtinstallation im Neuen Schloss Neustadt beschäftigt sich mit den Themen zwischenmenschlicher Vernetzung. Meine Gedanken und Empfindungen, angeregt durch meinen Aufenthalt vor Ort, habe ich in den letzten Wochen zu dreidimensionalen, begehbaren „Bildern“ verarbeitet. Diese Bilder „male“ ich mittels Licht, Raum, Architektur und gebauten Konstruktionen.

In mehreren Räumen des Schlosses werden die unterschiedlichen Aspekte von Beziehungssystemen beleuchtet. Darunter finden sich Gedanken zu Nähe und Distanz, Projektion und Illusion, sowie zu unterschiedlichen Ebenen von Beziehungsgeflechten: beispielsweise zur Beziehung von Mensch und Natur, zu mir selbst oder zu meinem Zuhause.

Nachdem ich bei meiner Arbeit vom Ort beeinflusst wurde, sind die von mir gestalteten Räume wiederum eine Einladung an die Besucher, der Kunst zu begegnen und sich dabei die Frage zu stellen: „was macht das, was ich sehe mit mir?“

Das Thema Beziehung wird in den einzelnen Räumen auf einer Metaebene gezeigt, die wieder auf soziale Systeme rückbezogen werden können aber nicht müssen.
 
  1. Das weiße Quadrat ist eine sehr reduzierte Form eines Objektes. Wie weit können 2 Quadrate voneinander entfernt sein und trotzdem noch als in Verbindung zu einander wahrgenommen werden? Wenn sie beispielsweise sehr nah nebeneinander sind, sehen wir eine Linie und keine Quadrate mehr. Je nachdem wie die Quadrate zueinander in Beziehung stehen, ergibt sich ein anderes Bild.

Übertragen auf zwischenmenschliche Beziehungen kann anhand dieser Gedanken die Frage gestellt werden: wie viel Distanz ist möglich, damit trotzdem eine Beziehung besteht?

Wann löst sich meine Individualität, also mein „Quadratsein“ aufgrund geringer Distanz auf?


 

2. Architektonische Elemente werden durch Licht in einen Beziehungszusammenhang gebracht, den es z. T. gar nicht gibt. Dadurch entstehen neue Verbindungen, die über die rein architektonische Funktion hinausgehen.

Wir sind in der Regel in ein bizarres Beziehungsgeflecht eingebunden und spielen gleichzeitig viele Rollen: z. B. als Vater, Kollege und Sportskumpel. Dabei können wir sehr unterschiedliche Charaktere/Persönlichkeiten zeigen.


 

3. Dieser Raum erzählt erstmal vom Wald als Beziehungsgeflecht in sich selbst. Wenn der Mensch in die Projektion tritt, verbindet sich sein Abbild mit dem des Waldes. Gleichzeitig wird der Mensch als ins ich vernetztes Wesen thematisiert.

 

4. Der Säulenraum ist der abstrakteste mit den meisten Verweisen: die Säule verbindet Oben und Unten. Der Gedanke dieser Verbindung findet sich beispielsweise in allen Religionen. Die Geschichte der Säule als verbindendes Element ist lang, z.B. der Mythos der Atlanten. Durch meinen Eingriff habe ich die Säule als unterbrochene oder nicht zu Ende geführte Verbindung vervielfältigt. Ihre Schatten werfen sich als Projektion an die Wand, sind also ein Abbild der Realität.

Auch unsere Beziehungen sind Abbild/Projektion unserer Wünsche und Ängste

(siehe „Hammergeschichte“ aus der Psychologie).

Die Verbindung von Licht und Video erzeugt die Illusion sich annähernder Elemente, die sich aber nie treffen: oft Verbleiben Beziehungen in einem unfertigen Stadium, oft aufgrund unserer negativen Projektion.

 

5. Wenn soziale Beziehungen zu eng werden und unseren Wachstumsprozess oder unser Glück verhindern, z. B. Erwartungen der Eltern über Berufswahl, muss man sich manchmal aus ihnen lösen. Diese Lösung ist aber meistens nicht leicht, sondern unangenehm und schmerzhaft: es muss erst ein enger, unschöner Geburtskanal durchlaufen werden, um zu mehr Freiheit zu gelangen.

 

6. Der Raum der Ruhe/Reflektion zeigt illuminierte (Tiefen-)Schichten.

Nur in Ruhe kann ich die Beziehung zu mir selbst sehen, reflektieren und neue Informationen verarbeiten. In Beziehung zu mir selbst entstehen meine Ziele und die Richtung, in die sich mein Leben bewegen soll.

 

7. Wir begeben uns auf den Weg zum Ausgang, „nach Hause“, wenden uns ab vom Wald im kaltweißen Licht, hin zu warm erleuchteten Fenstern. In der Trümmerliteratur steht das helle Fenster für ein verlorenes Zuhause.

Der letzte Blick ist eine Einladung, das Erlebte mit nach Hause zu nehmen und sich zu fragen, welche Beziehung ich zu meinem Zuhause habe und welche Beziehungsgeflechte ich dort vorfinde.



"Produktion.

Ein Essay über Mensch und Raum."

C-Print

2018


Nachdem die Wallendorfer Porzellanfabrik 1764 gegründet wurde, ist ihre Existenz eng mit den Lebensgeschichten der Bewohner von Lichte verbunden. Nicht nur ganze Familien haben über Generationen dort gearbeitet – es waren fast alle erwerbstätigen Bewohner der Stadt. Das Arbeit identitätsstiftend ist, ist bereits bekannt. Aber bei meiner Recherche in Lichte hat es mich sehr bewegt, zu erkennen, dass es sich nicht nur um Einzelidentitäten handelt: hier geht es um Familienidentitäten und um das Selbstverständnis der gesamten Gemeinde, die durch das Handwerk bestimmt sind. In Lichte sind durch die Insolvenz der Wallendorfer Fabrik nicht nur Arbeitsplätze verloren gegangen. Mit der Schließung der beiden Porzellanfabriken wurden Familientraditionen beendet.
In meiner konzeptuellen Fotoserie „Produktion - Ein Essay über Mensch und Raum“ zeige ich die Orte der einzelnen Produktionsschritte eines Porzellanobjektes. Gleichzeitig zeigen die Bilder, dass hier unmöglich Produktion stattfinden kann. Die leeren Orte werden z. T. durch externe Lichtquellen in Szene gesetzt. Durch die Betitelung der Einzelbilder werden die Orte zusätzlich entmenschlicht. Der Mensch fehlt, der Raum ist leer.


Diese Arbeit wurde 2018 mit dem 2. Preis im Fotowettbewerb "Im Niemandsland - Lost Places in Thüringen" der Sparkassenkulturstiftung im Rahmen der Ausstellung "Erlebnis Industriekultur", Pößneck ausgezeichnet.

Mehr Infos: Ostthüringer Zeitung, MDR Thüringen Journal und Youtube.



"The Forest

Und wieder habe ich vergessen, was ich dir eigentlich sagen wollte!"

Gaze, Projektion

2018


Diese Arbeit ist eine Weiterentwicklung meiner Raum-Installation “The Forest - Eine transluzente Erinnerung” 2017. Beide Arbeiten sind die Produkte meiner Forschung zu den Möglichkeiten und Konzepten des Erinnerns. Anfangs stand die Suche nach einer Bildsprache im Vordergrund, die diffuse, unbewusste Erinnerungen triggert. Bei der Weiterentwicklung ging es vor allem um eine Neukonzeption des räumlichen Aspekts der Arbeit. Durch die Bildüberlagerung auf den Gaze-Bahnen wird deren Materialität und somit ihre konzeptuelle Bedeutung in der Installation betont.der Verbindung von Material, Raumbezug und Bild soll das gedankliche Konzept in eine sensorisch, körperlich fassbare Form gebracht werden. Dadurch eröffnet sich dem Betrachter ein anderer Zugang, als das rein intellektuelle Verständnis.

Das Bildmaterial erzählt eine Geschichte vom Damals zum Heute. Linien und leere Flächen werfen die Frage nach dem fehlenden Bild auf. Können Bilder überhaupt fehlen? Oder werden sie von der Erinnerungsfunktion unseres Gehirns einfach neu besetzt? Organische Strukturen entstehen - flackernd, fragil, instabil. Sie werden von digital erzeugten Formen abgelöst, die sich aber an unregelmäßigen Stellen der Gaze auffächern und ein Eigenleben entwickeln. Stroboskobartige Blitze, Irritation, Unbehagen, Ruhe, Klarheit. Danach entsteht ein Bild vom Jetzt oder das, was man dafür halten könnte. Auch das Jetzt hat leere Stellen...


"Pixelation"
Video-Installation im St. Annenstift, Stendal
Stendaler Lichttage 2017

 

Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis sind fast ständig von Pixeln umgeben – kleine Punkte, die ganze Bilder erzeugen. Sie verweisen auf die Digitalisierung unserer Welt und auf die abstrakten, virtuellen Räume, die daraus entstehen.

Anhand überdimensionierter, weißer Pixel werden in dieser Arbeit unsere Sehgewohnheiten untersucht und auf wesentliche Strukturen reduziert. Wann sehen wir Bewegung? Wie entstehen Beziehungen zwischen zwei Formen? Was wirkt organisch?

Diese Fragen werden mittels einer architekturbezogenen Videoinstallation im Stendaler St. Annenstift anlässlich der 3. Stendaler Lichttage 2017 visualisiert.


Technischer Aufbau:

4 Beamer, 4 Videoclips, 4 Raspberry Pies


"The Forest
Eine transluzente Erinnerung
"
Video-Raum-Installation
Gaze, Acrylglas
2017

Diffuse, auf emotionaler Ebene wirkende Erinnerungen, können durch sensorische Impulse geweckt werden. Da diese Erinnerungen nicht bewusst greifbar sind, sind auch die auslösenden Reize nicht klar definiert. Diese Arbeit zeigt meine experimentelle Annäherung an eine abstrakte Bildsprache die als Auslöser oder Zugang zu diesen Erinnerungsräumen dienen kann.

Durch die Verbindung von Material und Bild entsteht eine Geschichte von Damals und Heute, von den Möglichkeiten in Raum und Zeit. Leere Flächen werfen die Frage nach dem fehlenden Bild auf. Können Bilder überhaupt fehlen? Oder werden sie von der Erinnerungsfunktion unseres Gehirns einfach neu besetzt?

Organische Strukturen entstehen - flackernd, fragil, instabil. Ähnlich wie unsere geistigen Bilder, frühe Erinnerungen, auf die wir nicht richtig zugreifen können. Diese Bilder sind aber der Humus, der Nährboden, aus dem unser Bild vom Jetzt, unser Blick in und auf die Welt, entsteht.

 

"Via PC und Beamer beleuchtet sie dreidimensionale Installationen, die mit Licht und Bildeffekten dem Raum neue Dimensionen verleihen und den Besucher zu einer neuen Selbsterfahrung in Raum und Zeit animieren."

Detlev Rohde, Neue Leipziger Volkszeitung, 6. Juli, 2017

 


Installationsansicht, Schaddelmühle, 2017











Installationsansicht, Tapetenwerk Leipzig, 2017