"In the Desert"

Video-Raum-Installation

2015

 In the Desert - Halle 2       In the Desert - Halle 1       In the Desert - Zwischenbereich        In the Desert - Ausgang

 

Philosophie

Kontext

Begeben wir uns auf eine Reise. Verschiedene Menschen können sich zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort aufhalten und trotzdem empfindet jeder diesen Aufenthalt anders. Der Grund dafür ist folgender: jeder von uns bewertet seine Wahrnehmung, die sogenannte Realität, nach bestimmten, persönlich und kulturell bedingten, Vorstellungen. Diese Vorstellungen erlernen wir als Kinder und entwickeln sie im Lauf unseres Lebens weiter. Meistens bleiben sie aber unbewusst, d.h. unsere Wahrnehmung wird gefiltert, ohne dass wir es merken.

Wir befinden uns hier in einem „Tanz mit der Welt“ (Heinz von Foerster): in einem kreislaufartigen kybernetischen Austauschprinzip, in dem unsere Bewertung unsere „Realität“ verändert, die veränderte Realität wieder den Bewertungsvorgang usw.

Ich nutze in dieser Arbeit das Thema der Reise als Beispiel und als Metapher. Als Metapher für Aufbrüche ins Unbekannte, wie wir sie im Leben immer dann durchlaufen, wenn wir etwas Neues beginnen.

Bei der Reise durch die von mir gestalteten Räume bringe ich die beschriebenen Filtermechanismen durch Störungen ins Bewusstsein. Jeder bewertet aufgrund seiner eigenen Lebenserfahrung, seiner persönlichen Reise. Es geht hier nicht darum, von mir vorgegebene Konzepte zu verstehen. Es geht darum, sich anders zu fühlen, die eigene Wahrnehmung zu öffnen, bewusst zu sehen. Um dann die eigenen Assoziationen zu erforschen, die eigenen Geschichte in den Raum zu bringen und auf diese Weise auch Begrenzungen der eigenen Wahrnehmung zu erkennen. Während wir versuchen, intellektuell zu verstehen, wirken sensorisch andere Faktoren auf uns ein. Die hohe Luftfeuchtigkeit, der akustische Hall, der Geruch eines fast 200 Jahre alten Kellergewölbes und der Weg, sich 2 Etagen unter die Erde zu begeben. Wir sind woanders, auf Reisemodus, das heißt: wir laufen mit offenen Augen durch eine fremde Welt.

Diese Sinneseindrücke vermischen sich dann mit meinen Projektionen, die nicht einzeln zu analysieren sondern als Teil des Raumes bzw. als seine Erweiterung zu verstehen sind. Hier findet sich das bereits angesprochene kybernetische Prinzip: der Raum verändert die Projektion, die Projektion den Raum usw.

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  • In the Desert
    Ansicht Eingangsbereich Halle 1, ©Markus Genser
  • In the Desert
    Ansicht Eingangsbereich Halle 1, ©Markus Genser
  • In the Desert
    Ansicht Zwischenbereich rechts, ©Markus Genser
  • In the Desert
    Ansicht Zwischenbereich mittig-rechts
  • In the Desert
    Ansicht Zwischenbereich Mitte
  • In the Desert
    Ansicht Zwischenbereich Brunnen
  • In the Desert
    Ansicht Zwischenbereich mittig-links
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    Ansicht Zwischenbereich links, ©Markus Genser
  • In the Desert
    Ansicht Halle 2, ©Markus Genser
  • In the Desert
    Ansicht Halle 2
  • In the Desert
    Ansicht Halle 2, ©Markus Genser
  • In the Desert
    rückwärtige Ansicht Halle 2, ©Markus Genser
  • In the Desert
    Ansicht Ausgang Halle 2

Die drei großen Abschnitte einer Reise, nämlich das Reisefieber, das Unterwegs und die Rückkehr bilden das Grundgerüst für die Dramaturgie der Rauminstallation.

In Halle 1, der Wunsch und die Sehnsucht nach einem undefinierten Woanders, einer Illusion. Hier geht man den ersten Schritt auf unbekannten Terrain, lässt etwas Gewohntes hinter sich.

Im Zwischenbereich: Unterwegs, der Prozess der Veränderung, der Reibung und auch der potentiellen Gefahr. Der Begriff Reise stammt etymologisch von einem Verb, das sowohl aufsteigen, sich erheben als auch niederfallen, stürzen bedeutet. Der Weg ins Unbekannte kann Gefahren bergen und auch im Leben müssen wir manchmal No-Go-Areas passieren. Installativ habe ich hier unter anderem den vorhandenen Brunnenschacht zum Objekt erhoben.

Im letzten Abschnitt (Halle 2) lösen sich Grenzen auf oder wir können aufgrund der gemachten Erfahrung neue setzen. Wir befinden uns wieder an unserem Ausgangspunkt, allerdings verändert und mit einem neuen Blick, der sich im Alltag nutzen und diesen transformieren lässt. Das Ende ist also immer auch der Anfang eines neuen Abschnittes.

Als Künstlerin bin ich auch Geschichtenerzählerin. Ich gebe aber nur den Kontext vor dessen Hintergrund jeder Besucher seine eigene Geschichte erzählen kann.


 

In the Desert.

On A Horse With No Name. Ein Reiseführer.

Vom 17.-20.3. auf der Leipziger Buchmesse am Stand der Bauhaus-Universtiät zu sehen. 


Diese Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen Kunst und (Er)Leben. Sie ist ein Reiseführer für persönliche Veränderungsprozesse, für die persönliche Reise. Dabei wird analysiert, wie der individuelle Erfahrungshorizont dazu beiträgt, die Welt so zu sehen, wie man sie sieht. Wissenschaftlich wird auf ethnologische Theorien und Methoden zur Wahrnehmung Bezug genommen, die sich auf die Beobachtung des kulturell Fremden beziehen. Diese Methoden dienen zum einen, sich mit der Wahrnehmung und dem Verständnis von Kunst auseinander zu setzen. Zum anderen wird die Reise/der Schaffensprozess des Künstlers reflektiert, die die Grundlage seiner inhaltlichen Interessen bildet.